Leben ohne Alkohol und Zigaretten?

März 2016, Indien. Ich saß in einer großen Meditationshalle mit Bildern eines Gurus an der Wand. Einem Guru den ich zwei Monate davor das erste Mal auf Youtube gesehen hatte. Keine Ahnung, was mich in den 21 Tage die ich hier war erwarten würde. Eine Sekte? Eine Religion? Yoga? Wahrheit über das Leben? Enthüllungen des Seins? Heilung? Oder doch Manipulation?

Was geschah war folgendes: Nach ein paar Tagen fühlte sich mein Gehirn an als würden sich Synapsen neu verknüpfen. Gedankensprünge die ich davor hatte, fanden plötzlich keinen Anknüpfungspunkt mehr. Als Raucher kennt man diese tagtäglichen Gedankenketten bestimmt: Ich brauch jetzt eine Zigarette. – Heute hab ich eh erst eine geraucht. – Eigentlich wollte ich aufhören. – Am Sonntag nach dem Fortgehen höre ich wirklich auf. – Ich mag mich nicht quälen. – Ich bin frei und kann tun was ich will. – Ich rauch jetzt eine. – War die Tschick jetzt wieder notwendig? Denkmuster die wir tagtäglich wiederholen: Was ziehe ich an? – Darin sehe ich dick aus. – Die Farben sind definitiv ist zu grell. – OMG, da würden sich die anderen was denken! Solche Gedankenketten meine ich. Es war als würden sie in meinem Kopf anfangen, aber der nächste Gedanke war plötzlich nicht mehr da, er konnte nicht mehr anknüpfen an den vorigen. Die Ketten begannen zu brechen.

Nach diesen 21 Tagen kam ich nach Hause. Kein Gedanke zur Zigarette zu greifen. Keine Lust auf ein Glas Wein. Ich wollte seit Jahren aufhören zu Rauchen. Kämpfte fast jede Woche dagegen. Kämpfte mit und gegen mich, um dieses Laster loszulassen. Den Geruch, den Geschmack, dieses Ziehen an einem giftigen Stummel. All das war plötzlich vorbei. Ich fühlte mich so frei. Frei von diesen Gedanken. Ich dachte damals zu Rauchen sei Freiheit. Doch ich realisierte, dass für mich die Freiheit bedeute frei von diesen Gedankenmustern zu sein, die ständig im Kopf kreisen.

Das erste Mal als ich fortging ohne Alkohol war ich neugierig. Wie würde es sein? Was würden meine Freundinnen denken? Wir gingen an einem Freitag Abend, bald nach meiner Rückkehr aus Indien in die Arena Wien. Ich stand auf der Tanzfläche. Fühlte mich unsicher. Merkte wie mir der Alkohol immer Selbstsicherheit gab. Wie flirtet man nochmal? Ich dachte ich krieg kein Wort heraus, als mich ein recht attraktiver Mann ansprach. Ich beobachtete mich selbst bei allem. Ich stand halb steif auf der Tanzfläche. Und dann, dann kam eines meiner Lieblingslieder. Ich schenkte mir selbst innerlich ein Lächeln. Empfand tiefe Sympathie mir selbst gegenüber. So fühlte sich das an, wenn man beginnt sich selbst kennenzulernen und anzunehmen wie man ist. Ich begann loszulassen und mich der Musik hinzugeben. Begann die Unsicherheit und Selbstzweifel loszulassen. Tanzschritt für Tanzschritt. Ich war erleichtert. Es war pure, reine Freude und Genuss des Lebens.

Ich musste das Fortgehen aufgrund meines Nicht-Alkoholstatus nicht aufgeben. Erst vor ein paar Monaten war ich bis 6 Uhr morgens am Gürtel unterwegs und hatte herzhaft viel Spaß. Nach wie vor gehe ich auf Festivals. Nach wie vor tanze ich. Nach wie vor bin ich immer wieder unsicher und erfahre neue Seiten an mir.

Ich vermisse nichts. Und hab viel gewonnen. Ich beurteile hier niemanden, der Alkohol trinkt oder raucht. Ich möchte nur meine Erfahrung mitteilen. Ich liebe es, wie rein und gesund sich mein Körper anfühlt. Wie ich bei der Yoga-Praxis weiterkomme und durch einen Alkohol-Rausch nicht mehr zurückgeworfen werde. Wie mehr Platz für schöne und lebensbejahende Gedanken da ist. Dankbar bin ich für dieses „Sankalpa“ (Sanskrit: Kommitment, Wort das wir uns selbst geben)- welches ich mir selbst gegeben, eingehalten habe und für immer werde.

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Über Miss M

I am alive. To live the life I consciously choose to create.
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