Indien – Wo ein Wille da ein Weg (Teil 2)

Ich stieg in den Bus ein, der mich in 11 Studen von Delhi nach Dharamsala bringen sollte. Ich hatte den Fensterplatz Nr. 24. Drei jugendliche Inder mit Bier und guter Laune gesellten sich zu mir, einer auf Platz 23 neben mir und zwei gegenüber. Ich sah die Hoffnung auf „endlich schlafen“ schon fast dahinziehen, bis ich mich umdrehte und sah, dass eigentlich noch recht viele Sitzplätze frei waren. Als der Buschauffeur vorbei kam fragte ich ihn, ob der Bus voll sein würde und er meinte, es würden nur mehr vier Personen zusteigen. Ich schnappte mein Zeug, murmelte den Jungs neben mir entgegen, dass ich bereits seit 35 Stunden unterwegs war und kaum geschlafen hatte, entschuldigte mich höflich und wanderte in eine freie letzte Reihe.

Nachdem wir Punkt 19 Uhr losfuhren, richtete ich eine mehr oder weniger komfortable Schlafposition ein. Währenddessen stiegen beim nächsten Halt noch Kate aus Costa Rica, Catherine aus Grossbritannien (beide arbeiten in Delhi) und ein Inder ein, der mit den beiden unterwegs war. Sie füllten die vorletzte und zweite Hälfte der letzten Reihe. Mein Schlafplatz war nicht mehr ganz so gross, aber ich war froh über vertrauenswürdige und nette Gesellschaft um meine Ängste nicht alleine durchstehen zu müssen. Wegen des starken Monsun-Regens konnte es nämlich zu Erdrutschen und überschwemmten Strassen um diese Jahreszeit kommen.

Kurz bevor ich einschlief, hörte ich seltsame Klänge und dumpfte Musik. Mein erster Gedanke war „jetzt ists soweit, ich halluziniere“. Bis ich realisierte, dass der Bus zwar weder das versprochene Wifi, noch die nicht versprochene Toilette hatte, dafür aber einen Fernseher wo gerade ein indischer Streifen lief indem nicht viel geredet, aber viel gekämpft und düstere Musik gespielt wurde. Ich schlief trotzdem ein, wachte nach einer Stunde wieder auf, schlief wieder ein. Wachte erneut auf, als der Buschauffeur tatsächlich einen neuen Film startete. Unfassbar. Es war 23 Uhr. Ich stapfte vor und fragte, ob man denn den Ton ein wenig leiser stellen konnte, da ohnehin niemand mehr fern sah, sondern alle schliefen. Mein Bitte wurde tatsächlich erhört und der Film abgedreht. Endlich schlafen.

Um Mitternacht stoppten wir an einer Art Raststation. Ich putzte meine Zähne und streckte meine Glieder ein wenig.

Das nächste Mal als ich aufwachte, hörte ich viele Stimmen von draussen. Wir hielten an einer Art Kontrollposten mit vielen Polizisten. Es war mittlerweile sehr finster draussen und begann bald daraufhin heftig zu Regnen. Doch irgendwie fühlte ich mich sicher. Der Regen prasselte auf das Dach und ich liebe es, wenn ich schlafe und die Regentropfen gegen das Fenster klopfen.

Um 4 Uhr riss es mich wieder aus dem Schlaf, der Bus schwankte fürchterlich. Auch der Inder auf der anderen Seite der letzten Reihe schreckte hoch. Wir blickten aus dem Fenster, links ging es abgrundtief hinunter und rechts steil bergauf. Der Bus schwankte aufgrund der unebenen Strasse. Bei jedem links-schwanken betete ich, dass wir nicht Übergewicht bekamen und in den Abgrund stürzten. Wir bogen kurz danach links ab und fuhren auf einer schmalen Brücke über einen Fluss. Die Brücke war gerade breit genug für den Bus, welcher auch auf der Brücke mächtig schwankte.

Ich ließ im Halbschlaf die letzten 24 Stunden nochmal Revue passieren und dachte zurück an die Fußmassage, welche ich mir im Wellnessbereich am Flughafen Delhi gegönnt hatte, inklusive Dusche. Wenn ich damals gewusst hätte was mich erwartet, hätte ich das heisse Wasser mindestens 10 Minuten länger über meinen Körper fliessen lassen…

Es war kurz nach 6 Uhr, Freitag Morgen. Verschwitzt, zerzaust, erschöpft aber erleichtert, kam ich in Dharamsala an. Ein Fahrer wartete auf mich am Busstopp und brachte mich und meinen Koffer ins Yoga-Center. Ich bezog um 6.35 Uhr mein Zimmer und um Punkt 7 startete meine erste Yogaeinheit in Indien. Ich war unendlich dankbar, dass ich heil angekommen bin und auch diese Seite von Indien erleben durfte.

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Über Miss M

I am alive. To live the life I consciously choose to create.
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