Thanksgiving auf Kauai

2009 brachten mich die Abenteuerlust und auch ein wenig die Flucht aus dem Alltag nach Hawai’i. Es war Thanksgiving, der vierte Donnerstag im November und gleichzeitig ein verlängertes Wochenende, welches wir auf Kauai, der Nachbarinsel von Oahu verbringen wollten. Zu fünft saßen wir in einem klapprigen Flugzeug und landeten bei strömenden Regen auf der sogenannten „Garden Island“. Das reservierte Auto wartete beim Flughafen auf uns, mit welchem wir uns aufgrund des Wetters zuerst vom Lihue Airport Richtung Süden, zum Spouting Horn Park aufmachten. Geysire schossen dort trotz Regen aus den Gesteinen, unvorstellbar laut und kraftvoll brach das warme Wasser aus den Gesteinsspalten empor. Es gab ein kleines Häuschen bei diesem Aussichtspunkt um welches sich Hennnen und Hähne tummelten, so viele wie ich sie noch nie auf einem Haufen gesehen hatte. Jetzt war mir klar, warum der Radio-Moderator ständig vom „Rooster Country“ (Rooster Country 99.9 Kauai | Kauai’s Only Country Music) sprach…

Als der Regen endlich aufhörte gönnten wir uns ein wenig Erholung am Poipu Beach. Nach einigen Snorkling-Sessions und Sonnenbrand auftanken ging es weiter in Richtung Camping Platz, wo Freunde von uns warteten. Wir hatten ein drei Ladies-Zelt, welches wir für unsere Maßstäbe sehr schnell, für Aussenstehende vermutlich ein wenig tollpatschig aufbauten. Aber Hauptsache wir hatten eine Menge Spaß und wählten triumphierend einen tollen Baum mit wenig Gras und Geäst darunter aus, um unser Schlafgemach zu platzierten. Allerdings nicht all zu lange… Der Campingplatz beherbergte außer uns nämlich auch noch ein paar obdachlose Familien… Einer der Männer kam nach einer Weile zu uns und fragte erstaunlich, ob wir unser Zelt tatsächlich dort stehen lassen wollten. Immerhin war das ihr „Toilettenplatz“. Ohne ein Wort zu verlieren wurde das Zelt geschultert und ans andere Ende des Campingplatzes getragen.

An diesem Thanksgiving-Abend war es mittlerweile dunkel geworden und wir realisierten, dass wir noch nichts gegessen hatten. Was wir noch feststellen mussten war, dass weit und breit weder ein Dorf, geschweige denn eine Stadt war, um etwas Essbares aufzutreiben. Halb verhungert saßen wir vor unseren Zelten und wussten nicht, was wir tun sollten. Der Campingplatz war außer uns und den Obdachlosen auch richtig ausgestorben. Wir starteten noch einen Versuch und gingen zu den Obdachlosen um zu fragen, wo denn noch ein Ort wäre um etwas Essen zu können. Sie schüttelten enttäuscht die Köpfe und erklärten uns, dass es erstens Feiertag und zweitens eine sehr abgeschiedene Gegend war. Was sie uns aber anboten, dass sie gerne mit uns ihr Essen teilen wollten. Sie hatten von der Kirche und den Bewohnern der kleinen Gemeinde viel Thanksgiving-Essen gespendet bekommen, welches für uns alle reichen würde.

So saßen wir an diesem, meinem ersten richtigen Thanksgiving, gemeinsam mit Obdachlosen am Tisch an einem verlassenen Campingplatz, teilten Lebenserfahrung, den besten Truthahn mit traditionellem Gravy und Kartoffelpüree und unendliche Dankbarkeit. Das Gefühl, zu teilen selbst wenn man nichts besitzt, trage ich bis heute im Herzen.

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Salt Pond Beach Park

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Über Miss M

I am alive. To live the life I consciously choose to create.
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Eine Antwort zu Thanksgiving auf Kauai

  1. Anders schreibt:

    Das war ein sehr schönes Urlaub mit Marlene und Co. 👌🙈😜

    /Anders

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