Am Weg zum Sonnenuntergang auf Gozo

Gozo gehört zum maltesischen Archipel im Mittelmeer und liegt eine Fährenfahrt von der Hauptinsel entfernt. Drei Nächte verbrachte ich auf dieser Insel. Ein kleines Paradies mit vielen Sehenswürdigkeiten, verlassenen Orten und wundervollen Plätzen. Ich buchte ein Hotelzimmer in Marsalform, nördlich auf der Insel. Die Besitzerin des Hotels war eine sehr bemühte, gschaftige und reizende Norwegerin. Sie redete viel, aber das störte nicht weiter. Was sie mir aber erzählte und mir nicht aus dem Kopf ging, dass man ca. 40 Gehminuten entfernt den schönsten Sonnenuntergang auf ganz Malta miterleben konnte. Nämlich dort, wo die „Salt Pans“ lagen und noch weiter.

Gesagt, getan, marschierte ich Sonntags Abend mit Kamera bewaffnet los. Was mich erwartete, war sagenhaft. Kleine Buchen, wo die Einheimischen beim Grillen und Baden zusammen saßen und eine Zufriedenheit ausstrahlten die mich faszinierte. Nonnen, die vor einem Kloster saßen und herzhaft über die Geschichten lachten, die sie sich erzählten. Ca. 15 alte Damen, die vor einem Haus auf Stühlen saßen und Bingo spielten. Die berühmten Salzpfannen, getaucht in orange-rotes Licht, welches die Sonne an diesem Abend großzügig über die ganze Landschaft, die Menschen und das Meer verteilte. Ich stoppte bei einem Bergvorsprung wo ein schmaler Asphaltweg direkt in den Himmel führte. Zwei ältere Herren saßen dort zusammen und tranken Bier. Wir kamen ins Reden und ich fragte sie, ob sie ein Foto von mir machen würden. Ich positionierte mich und bat sie, ein wenig zu warten, bis ich eine Yoga Pose für ein cooles Foto (reines Ego-Ding) gefunden hatte. Die beiden älteren Herren konnten mit einer Yoga Pose nicht viel anfangen. Ich brauchte natürlich ein wenig Zeit mit atmen, strecken und so… und der Herr am Drücker rief aber ständig „now?“, „NOW?“. Ich musste schon soviel lachen, dass ich fast auf die Nase fiel. Als es geschafft war, durfte ich noch ein Foto von den beiden herzensguten Männern machen, tratschte noch ein wenig mit ihnen und setzte meinen Weg fort. Ich wollte ja den Sonnenuntergang nicht verpassen und die Sonne wartet nun mal nicht.

Ich schaffte es gerade noch rechtzeitig. Es war ein vollkommen friedlicher Anblick und ich fühlte mich behütet und wohl an diesem Punkt meines Lebens, an diesem Platz auf der Welt. Auf dem Rückweg, in Gedanken versunken, der Musik im Ohr lauschend, fielen mir im Blickwinkel die beiden alten Männer wieder auf. Sie waren allerdings nicht mehr allein. Sie hatten zwei Klapptische und Sessel dabei, und noch viel wichtiger: auch ihre Ehefrauen und Enkelkinder. So saßen sie an diesem verlassenen Ort, tranken Wein und genossen das Abendessen, welches die Gattinnen mitgebracht hatten. Auf einer kleinen Insel, an einem Sonntag Abend, bei Sonnenuntergang und Meeresrauschen. Das Leben kann wundervoll friedlich sein.

Gozo_Malta

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Über Miss M

I am alive. To live the life I consciously choose to create.
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