Weisheit fällt vom Tulpenbaum

Neulich lag ich unter einem Vorzeigemodell eines Tulpenbaums auf dem Anwesen von Arthur Findlay (1883 – 1964) in Stansted. Der Tulpenbaum mit ursprünglich nordamerikanischer Herkunft trägt Tulpen von April bis Mai, leider nicht im Juli, da bietet jener am Arthur Findlay College jedoch großzügig Schatten unter seiner mächtigen Baumkrone. Ich lag mit geschlossenen Augen auf einer Parkbank, den Kopf Richtung Westen geneigt und genoss die letzten Sonnenstrahlen des Abends.

Seit einigen Stunden trug ich ein Gefühl der inneren Unruhe in mir. Dieses Gefühl in der Magengegend lässt sich gut vergleichen mit einem zähen Brei, aus welchem man durchaus noch einen Kuchen backen könnte. Aber beim umrühren braucht man viel Kraft, weil er aus folgenden schwer zu verarbeitenden Zutaten besteht: Verwirrung, Überforderung, Sehnsucht nach Bekanntem/Gewohntem und einer Prise Traurigkeit. Klingt zäh? Ist es auch. Muss es auch sein, wenn man seine Komfortzone verlässt, hat mir mal jemand erklärt. Denn wenn man die Komm-Vor-Zone verlässt, lernt man Neues und das menschliche System ist verwirrt. Aber nur ein Zeiterl, zum Glück…

Zurück zum Thema. Um mich von der inneren Unruhe abzulenken, beschloss ich in einem meiner weisen Bücher zu lesen. Als ich Seite 198 erreichte, war es endlich da: Die Weisheit, nach der ich mein Leben lang suchte, schwarz auf weiß abgedruckt. Konnte es so einfach sein? Die Weisheit, die angeblich zu Glück, Gesundheit und einem erfüllten Leben führt war laut diesem Buch folgende: Einfach lächeln. Angeblich reagiert der gesamte Körper, der gesamte Organismus des Menschen auf diese Muskelbewegung. Auch wenn man sich nicht danach fühlt, aber allein der Impuls und die Muskelbewegung setzen Körper und Geist in Bewegung. Das Lächeln gepaart mit einer geraden Körperhaltung, top! Gesagt, getan, lächelte ich vor mich hin während ich weiter las. Und tatsächlich, worüber konnte ich mich beklagen? Ich hatte die Möglichkeit eine Woche am Arthur Findlay College viel Neues zu lernen und viele tolle Menschen kennen zu lernen. Das war doch die Verwirrtheit allemal wert! Ha! Und wie ich plötzlich von einem Ohr bis zum anderen grinsen konnte. Plötzlich viel etwas vom Tulpenbaum. Es hörte sich plump an als es am Boden aufkam und musste demzufolge etwas schweres sein. Verträumt wie ich war und in diesem Dauer-Lächel-Zustand konnte das nur ein Geschenk sein, welches da gerade vom Himmel fiel, als Belohnung quasi weil ich die ultimative Weisheit gefunden hatte (ich natürlich, nicht der Autor des Buches). Ich war gespannt und wollte nach ein paar Minuten aufstehen um nachzusehen. Als ich das Buch zugeschlagen hatte und mich umdrehte, spürte ich etwas Feuchtes auf meinem Fuß. Das Feuchte war aber nicht nur auf meinem Fuß, sondern hat sich durch mein unruhiges bewegen während dem Lesen auch schön auf meiner Hose verteilt. Das, was da vom Tulpenbaum viel, war nämlich kein Geschenk, sondern satte Portionen Taubenkot. Die landeten nämlich nicht nur neben meiner Bank, sondern auch auf ihr. Auch wenn ich für ein paar Sekunden völlig steif war und mein Gesichtsausdruck einer sauren Zitrone gleichte, konnte ich nun nicht mehr anders und musste einfach herzhaft und aus vollem Bauch heraus loslachen. Ach, es ist doch schön das Leben, und so voller Überraschungen…

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Über Miss M

I am alive. To live the life I consciously choose to create.
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