Der Oh-Effekt.

Neulich war es wieder einmal Zeit für einen Sonntags-Pyjama-Tag. Den ganzen Tag in den holden vier Wänden verbringen und einfach… nicht viel tun. Am Abend kamen mir die Wände doch etwas zu nahe und ich schlenderte in „Jogging-Heidl“ – wie meine Freundin aus dem 21. Wiener Gemeindebezirk sagen würde – in den kleinen Park ums Eck. Eine Hängematte ergattert, lag ich da und ließ die Seele baumeln.

Irgendwie erinnerte ich mich an damals, an die deutlich jüngere Miss M. An damals, als ich davon träumte, wie mein Leben denn „später“ einmal aussehen würde, mich aber vordergründig eher mit Jungs, seltsamen Schmetterlingen im Bauch und dem einen oder anderen Pickel beschäftigte. Dennoch war der Traum ziemlich klar: irgendwann einmal würde ich eine erfolgreiche Anwältin sein, in einer Großstadt leben, auf After-Work-Drinks mit Freundinnen gehen, hätte eine coole (damals wurde das Wort „cool“ gerade „hipp“) Wohnung und alles in allem ein „cooles“ Leben und viel Spaß.

Das mit der Anwältin war wohl nichts. Die Tatsache, dass ich damals keine Folge von Ally McBeal verpasste, vermittelte mir vermutlich ein etwas falsches Realitätsbild. Nach zwei Semestern Jura Studium war es offensichtlich, dass der Weg zu einem Ally McBeal-Dasein unrealistisch und für mich als ungeduldiges Wesen als eine Ewigkeit erschien. Ich ging zwar verantwortungsbewusst zu jeder Vorlesung, allerdings in Doc Martens und Baggy Jeans. Was dazu beitrug, dass ich mich unter den 19jährigen Anzug-Mit-Stecktuch-Trägern nicht sehr wohl fühlte. Was die berufliche Realität aus heutiger Sicht betrifft, war es damals eine gute Entscheidung meine Baggy Jeans nicht gegen High Heels zu tauschen. Und was die restlichen Träume der jungen Miss M betrifft, alles Realität geworden. Als ich in der Hängematte dahin schaukelte, war es plötzlich wie ein Aha-Effekt, nur eben ein Oh-Effekt. Ohhh, es ist alles da, was ich mir wünschte.

Es geht aber nicht darum, dass Miss M grandios ist und alles erreicht hat was sie sich einst wünschte. Es geht vielmehr darum, manchmal auf den Weg zurück zu blicken, den man gegangen ist. Auf Momente, in denen man sich alleine, überfordert, verletzt oder hilflos gefühlt hat. Auf Momente, in denen man unglaublich glücklich war, Dinge gelernt hat, das beste aus den Situationen gemacht hat, waghalsig war und Spaß hatte. Es geht darum, hin und wieder inne zu halten, sich umzusehen und auf die Schulter zu klopfen. Dann erkennt man, dass es „cool“ ist, so wie es ist. Eben der ganz normale Oh-Effekt. 

 

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Über Miss M

I am alive. To live the life I consciously choose to create.
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