Mein Körper, mein Menstruationszyklus

Meine erste Regelblutung: ich dachte sie würde nie kommen. Doch dann war sie da. Ich weiß nicht mehr wie alt ich war oder wie meine Eltern reagierten. Ich weiß aber, dass ich froh war endlich „normal“ zu sein. Endlich zu den „anderen“ zu gehören.

Bald darauf, wie es auch alle „anderen“ taten, ließ ich mir die Antibabypille verschreiben. Im Alter von 17 Jahren, obwohl ich keinen Freund hatte. Vielleicht aufgrund von Hautunreinheiten oder Regelschmerzen, doch war beides nur ein Vorwand, in Wahrheit wollte ich das tun was alle anderen taten. Somit nahm ich nun täglich oral ein Hormonpräparat ein. Jahre später entschied ich mich gegen die Pille, aber für das Verhütungspflaster. Wie ein Statussymbol, das sagte „ich verhüte, mit mir ist es sicher“ war es aufgeklebt auf meinem Oberarm – im Sommer, beim Fortgehen, fast immer. Im Alter von 24 hörte ich auf damit. Ich hatte keinen festen Freund und wollte meinem Körper mehr keine Hormone zuführen. Ich verbrachte die Wochenenden mit Freundinnen in Diskotheken, hatte meinen ersten Vollzeitjob in einer Eventagentur und begann berufsbegleitend ein Bachelor-Studium zu absolvieren. Das Leben pulsierte und ich genoss es. Mein Menstruationszyklus war kaum existent. Einmal im halben Jahr, vielleicht alle fünf Monate, spürte ich meinen Körper auf diese besondere Art und Weise.

Vielleicht gerade weil mein Leben damals so intensiv war, tauchte immer wieder die Frage nach dem Sinn von Allem auf. Mir fielen Bücher zu systemischer Aufstellung, Energetik und Bewusstseinsarbeit in die Hände. Ich wurschtelte mich durch Mutter- und Vaterthemen und landete im Zuge dessen beim Thema „Weiblichkeit“. Unausweichliche Fragen tauchten auf wie: Welches Bild habe ich von mir als Frau? Welche Frauenbilder wurden mir in meiner Erziehung mitgegeben? Welche Frauen-Stereotypen werden uns von der Gesellschaft übergestülpt? Im Zuge der Auseinandersetzung mit meinem Frau-Sein gewann mein Menstruationszyklus an Regelmäßigkeit. Im Alter von 28 kam meine Regelblutung alle 28 Tage. Ich lernte, dieses wunderbare Rad der Weiblichkeit zu leben und zu lieben. Die Intelligenz meines Körpers gewann Oberhand.

Wie sieht mein Leben im Zyklus heute aus?
Mein Menstruationszyklus zeigt mir in Form von stärkeren Krämpfen während meiner Tage, dass ich gerade angespannt und verkrampft bin. Meistens steckt dahinter eine Angst, etwas loszulassen oder Angst, etwas so anzunehmen wie es ist. Eine verspätete Regelblutung zeigt mir, dass ich mich gerade nicht gesund ernähre und gestresst durchs Leben bewege. Ein einziges Mal in meinem Leben hatte ich meine Menstruation verfrüht am 24. Tag (bis dahin dauerte es immer mindestens 28) – und zwar genau an dem Tag, als eine sehr schwierige Partnerschaft zu Ende ging. Ich kenne das Menstruationsblut aus meinem Körper. Dieses Blut ist eines der natürlichsten Dinge auf der ganzen Welt. Das Blut trägt Stammzellen in sich, Zellen mit der Fähigkeit alles Neue zu erschaffen. Jeder Zyklus hat dieselben Phasen, und gleichzeitig ist jeder Zyklus wie ein neues Erlebnis. Der weibliche Zyklus trägt Weisheit und Intelligenz in sich, die es zu entdecken gilt. Er besitzt die Kraft des Neu-erschaffens und des Los-lassens. Ich feiere jedes Mal den Tag, an dem ich meine Regelblutung spüren und leben darf.

Den Anlass für diesen Blogbeitrag gab ein deutscher Rapper, der erst kürzlich in einem Video proklamierte, dass die „Menstruation eine Krankheit“ sei und Frauen während ihrer Menstruation eingesperrt sein sollten. Das Video wurde mittlerweile von seinem Instagram-Account genommen.

Meiner Ansicht nach ist der gesunde Weg für Frauen ihren Körper im Rad des Menstruationszyklus bewusst wahrzunehmen und kennen zu lernen. Ohne Scham und mit einer Portion Neugierde und Offenheit. Denn jeder Zyklus lehrt uns Frauen etwas Neues über uns selbst und ist auf seine Art und Weise magisch.

Menstruation_Weiblichkeit

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen